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Narziss
Februar 2009



Was gibt es zu Narziss noch groß zu sagen? Die 5 Jungs haben sich längst in den ersten Reihen der Metalcore/Screamo Szene platziert und haben von dort einen neuen Longplayer - "Echo" - am Start.
8 von 10 möglichen Punkten und Album der Woche - wenn das kein Grund ist, Schlagzeuger Steffen ein paar Löcher in den Bauch zu fragen.


Narziss Moin!
Erstmal Gratulation für „Echo“! Der Release steht inzwischen kurz vor der Tür. Wie sind die ersten Feedbacks, die ihr bis jetzt bekommen habt?


Steffen: Hallo! Deine Fragen beantwortet dir Steffen, der Schlagzeuger.

Durchweg mehr als positiv. Ich wußte ja, dass wir 'ne gute Platte gemacht haben, aber dass sie so gut ankommt, hätte ich nicht gedacht.

Den Namen Narziss kannte ich bis vor einigen Jahren nur aus den „Metamorphosen“ von Ovid. Wieso habt ihr euch ausgerechnet nach dem Jüngling Narziss benannt? Auch die „Echo“ ist ein Figur aus den „Metamorphosen“. Wieso trägt das Album diesen Namen?

Steffen: Es ist in meinen Augen unheimlich schwer, einen guten Namen für eine deutsch-singende Band zu finden. Irgendwann stand dieser Name im Raum und da wir ja alle etwas selbstverliebt sind, haben wir ihn genommen. Der Plattentitel war auch wieder eine sehr schwere Geburt. Wir haben ihn erst wenige Tage vor der Deadline festgelegt. Dabei ging es uns in erster Linie um Selbstreflektion. Das “Echo” einen direkten Bezug zu “Narziss” hat, ist eher ein Nebeneffekt.

Auf dem Cover von „Echo“ ist eine weinende Frau dargestellt.
Besteht auch hier der Bezug zu Ovid? Soll sie Echo darstellen?


Steffen: Nein, auf keinen Fall. Das Cover hat wieder Paul Barsch gemacht, wie bei der letzten Platte auch. Wir haben ihm unsere Songtexte geschickt und ihm kurz umrissen, was wir damit ausdrücken wollen. Dann hatte er völlig freie Hand.

Auf „Echo“ kommen die klaren Alternativ-Vocals verstärkt zum Einsatz. Ich musste mich erst daran gewöhnen und denke, dass auch eine ganze Reihe eurer ehmaligen Fans diese strikt ablehnen werden. Wieso trotzdem der verstärkte Gebrauch des klaren Gesangs?

Steffen: Weil Alex das einfach kann. Warum sollen wir diese Möglichkeit nicht nutzen? Nur weil ein paar uns nicht mehr “cool” und “hart” finden? Scheiß drauf, wir machen, worauf wir Bock haben und nicht was die Leute von uns hören wollen.

Was geht in euch vor, wenn ihr lest, dass Kritiker die klaren Vocals mit Attributen wie „kitschig“ oder „klebrig“ titulieren?

Steffen: Mir persönlich ist das völlig egal. Ich glaube, es liegt aber daran, das viele gutes Deutsch nicht mehr kennen und lieber mit Anglizismen um sich schmeißen. “kitschig” und “klebrig” kommt mir aber auch manchmal in den Sinn, wenn ich die Frisuren der ach so harten “Jungs” sehe...

Ein typisch Narziss'sches Trademark sind die intensiven, deutschen Songtexte. Wo und wie entstehen diese?

Steffen: Da ich keine Texte schreibe, kann ich dir nicht allzu viel dazu sagen. Alex und Johannes sind bei uns für die Texte verantwortlich. Meistens gibt eine persönliche Erfahrung den Impuls zu einem Text. Die beiden arbeiten Ihre Texte meistens zu Hause aus, zu Demoaufnahmen der Songs. Die Texte entstehen also nicht spontan im Proberaum.

Ihr transportiert beim Song „Hoffnungslos“ das Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Hans Christian Andersen auf eine musikalische Ebene. Was bedeutet dieses Märchen für euch und aus welchem Anlass wolltet Ihr es neu formulieren?

Narziss Steffen: Zuerst entstand die Musik. Da der Song einen relativ traurigen Charakter hat, hatte wir die Idee, einen Text über Kinderarmut zu schreiben. Die Umsetzung mit der Geschichte war dann Johannes` Idee.

Mit „Perfektion“ findet „Echo“ einen ziemlich niederschmetternden Ausklang. Wohin denkt ihr, wird den Menschen das Streben nach Perfektion und dem Wissen um den Gesamtzusammenhang noch bringen? Seht ihr noch Hoffnung für die Menschheit oder ist „Perfektion“ ein Zeichen der Resignation?

Steffen: Tja, wenn ich das wüßte wären wir schon einen Schritt weiter. Ich denke aber nicht das wir resignieren sollten. Jeder sollte einfach mal sein eigenes Leben und Handeln reflektieren. Es gibt soviele kleine Dinge an sich selbst, die man zum Besseren ändern kann. Ein passender Spruch ist “Wie willst du die Welt verändern, wenn du dich selbst nicht ändern kannst”. Es gibt mit Sicherheit eine Menge Leute die für Umweltschutz, Veränderungen in der Gesellschaft oder Tierschutz das Maul aufreißen - damit anfangen sollen aber mal schön die “Anderen”. z.B. weiß jeder klar denkende Mensch das genmanipuliertes Obst und Gemüse der letzte Schrott is. Weil es aber viel billiger als ist als die Sachen vom Bauern vor Ort, wird es trotzdem gekauft. Ich glaube etwas Zeit haben wir noch das Ruder rumzureißen, aber die Uhr tickt...

Die Metalcore-Szene ist eine relativ junge und ihr seit jetzt schon seit 11 Jahren dabei. Wer hat eure Musik beeinflusst? Auf welche Alben freut ihr euch persönlich für dieses Jahr am meisten?

Steffen: Beeinflußt haben uns mit Sicherheit die Newschool-Bands der 90er wie “Refused”, “Snapcase” und “Boysetsfire”, auch wenn man heute nicht mehr allzu viel davon hört. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr “metallische” Einflüsse dazu.

Ich persönlich hab mich sehr auf das neue Lamb of God Album gefreut. Und natürlich “Go Crazy! Trow Fireworks” von “The Casting Out”.

Wo seht ihr Narziss in 10 Jahren?

Steffen: Da hab ich echt keine Ahnung. Wir haben uns vorgenommen so lange weiter zu machen, wie wir alle Spaß an der Sache haben.

Eine Frage, der sich bisher jede von uns interviewte Band stellen musste. Was haltet ihr vom Internet als Medium der Musik ( Filesharing, bezahlte Downloads, Online-Mags) ?

Steffen: Also ich würde nicht mehr ohne das Internet auskommen. Vor einiger Zeit funktionierte mein Internetzugang einige Tage nicht, das war als hätte man mir das Fenster zur Welt zugemauert.

Filesharing ist für mich eine gute Sache, das ersetzt für mich den Gang in den Plattenladen um mir Sachen anzuhören. Was gut ist wird dann gekauft, was Schrott ist wieder gelöscht. Ich möchte Musik immer noch auch materiell besitzen d.h. mir die Cd oder Vinyl in den Schrank stellen und nicht nur als Bits und Bytes auf meinem I-pod.

Das wiederrum bringt mich zu bezahlten Downloads. Wer macht so was bitte? Ich kenne niemanden. Warum soll ich für etwas bezahlen, was ich 2 “Klicks” weiter umsonst bekomme? Klar ist es Diebstahl, wenn ich etwas illegal runterlade, aber die Hemmschwelle ist zu gering bzw. das Unrechtsbewußtsein einfach nicht vorhanden.

Narziss Eine Runde Brainstorming zum Schluss. Ein paar kurze Assoziationen zu:

Obama
“Gutmensch” und Weltverbesserer? Ich bin gespannt, was er ändern kann und wird. Ich habe allerdings die Befürchtung das er ein “2. Kennedy” werden könnte, wenn er den Falschen auf den Schlips tritt.

Karneval Verordnete Fröhlichkeit an ein paar Tagen im Jahr? Nicht mit mir.

2009 Super-Wahl-Jahr. Ich freue mich jetzt schon auf die Wahlwerbespots.

Redfield Records Nette Leute, gute Zusammearbeit, alles super!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft! Die letzten Worte gehören euch!

Steffen: Gibt es eigentlich Bands in unserer Szene, die mehr Kinder haben als wir? Wir haben 6, Maroon wohl mittlerweile 4... Das würde mich echt mal interessieren. Ansonsten Danke für das Interview, kauft unsere Platte und besucht uns auf unserer Tour.


Interview: Torben Knöpfler
Photos: Redfield Records








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Publiziert am: 2009-02-27 (2889 mal gelesen)

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